Intern
    Lehrstuhl für Ägyptologie

    20. September 2017

    Würzburg vor den Pyramiden: DFG fördert neues Projekt zum Pyramidenkomplex des Sahurê in Abusir

    Als Basis der großartigen Leistungen Ägyptens im Alten Reich diente eine hocheffiziente und kompetente Ökonomie, die über ein ausgefeiltes Instrumentarium der Produktion, Administration und Verteilung von erzeugten Waren verfügte. Dr. Mohamed Ismail wird sich ab Mai 2018 mit dieser Thematik im Rahmen des neubewilligten DFG-Projekts "Archäologie des ägyptischen Staates und seiner Wirtschaft im 3. Jahrtausend v. Chr.: eine neue Untersuchung des Sahurê-Aufwegs in Abusir" beschäftigen.

    Der frühe ägyptische Staat kann als stark zentralisierter, komplexer politischer und kultureller Organismus aufgefasst werden, der auf verschiedenen Ebenen operierte; mit dem König an der Spitze, dem seine engsten Vertrauten als hohe Beamte zur Seite standen. Im Namen des Königs war der Staat verantwortlich für die Einziehung erzeugter Waren, die dem Unterhalt des königlichen Hofes und der Durchführung königlicher Projekte dienten.

    Zu den Ergebnissen solcherart durchgeführter staatlicher Administration zählten großangelegte Projekte, die nicht nur zentral gesteuerte landwirtschaftliche Aktivitäten betrafen, sondern auch nicht gewinnbringende, in der Herrschaftsideologie wurzelnde Projekte, wie die Errichtung der Pyramiden und anderer monumentaler königlicher Bestattungsplätze. Um diese finanzieren zu können, zog der Staat Steuern ein, die zumeist aus großen Teilen des landwirtschaftlichen Überschusses bestanden; hinzu kam die Einziehung von zu Dienstleistungen verpflichteten Arbeitstruppen. Die Grundlage der altägyptischen Wirtschaft bildeten Landwirtschaft und Viehzucht. Dementsprechend spielten die königlichen Domänen, d.h. auf Anordnung des Königs eingerichtete landwirtschaftliche Produktionsbetriebe, eine herausragende Rolle in der Ökonomie des Alten Reiches.

    Das neu bewilligte Forschungsprojekt fokussiert auf die Bearbeitung, Analyse und Interpretation der neu entdeckten Reliefszenen mit Domänenaufzügen vom Aufweg der Pyramidenanlage des Sahurê in Abusir. Diese königlichen Domänen sicherten u. a. die Versorgung der Arbeiter im Zuge der Errichtung des Pyramidenkomplexes dieses Königs als auch die später dort den Totenkult des Königs durchführenden Totenpriester und weiteres Kult- und Dienstpersonal mit Nahrung und anderen notwendigen Produkten.

    Die königlichen Domänen spielten außerdem generell eine tragende Rolle bei der schrittweisen Erschließung des großenteils noch unerschlossenen Landes im Alten Reich, der sogenannten inneren Kolonisation, sowie die Entwicklung seiner Infrastruktur und der Konsolidierung der zentralen Landesverwaltung. Das am Aufweg des Sahurê in Abusir neu entdeckte Material liefert uns hervorragende Möglichkeiten, eine neue Diskussion über die Bedeutung der königlichen Domänen, ihrer Funktion, Nutzungsdauer, geografischen Lage und ihrer Position im System der Ökonomie des Alten Reiches zu initiieren.

    Darüber hinaus kann das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der altägyptischen Ökonomie und seines administrativen Apparates insgesamt, also zu den Grundlagen der altägyptischen Hochkultur selbst, leisten.

     

     

     

    29. August 2017

    Neu erschienen

    Platonismus und spätägyptische Religion, herausgegeben von Michael Erler und Martin Andreas Stadler

    bei deGruyter in Berlin und Boston, ISBN: 978-3-11-053296-8

    In dem Band beschäftigen sich Ägyptologen und klassische Philologen mit der Ägyptenrezeption der römischen Kaiserzeit. Im Zentrum steht Plutarchs Schrift De Iside et Osiride, die in einen weiteren zeitgenössischen, literarischen wie religionsgeschichtlichen Kontext eingebunden wird. Denn Autoren wie Jamblich, Porpyhrios und Aelius Aristides und ihre Auseinandersetzung mit ägyptischer Religion finden ebenso Berücksichtigung.

    Sowohl die Beurteilung des religionsgeschichtlichen Quellenwerts der Plutarch-Schrift De Iside et Osiride aus ägyptologischer als auch die Bewertung der Aktualität des Kenntnisstandes Plutarchs und anderer Autoren aus klassisch-philologischer Perspektive sind bislang durch fehlende interdisziplinäre Zusammenarbeit erschwert worden. In diesem Band werden nun die Beiträge zu einer Tagung veröffentlicht, die 2014 in Würzburg mit dem Ziel abgehalten wurde, jene Fachgrenzen zu überwinden.

    Der daraus hervorgegangene Tagungsband, zu dem renommierte Plutarchforscher und Platonismusspezialisten ebenso beigetragen haben wie auf den interkulturellen Austausch in ptolemäisch-römischer Zeit spezialisierte Ägyptologen, spiegelt den beiderseitigen Erkenntnisprozess wider: Plutarch, Jamblich, Prophyrios, Synesios oder die hermetsichen Autoren fanden die ägyptische Religion nicht als monolithischen, unveränderlichen Block vor, sondern noch als lebendige Praxis. Die Wiedergabe des von ihnen Rezipierten kann nur im Kontext der für sie so typischen Suche nach altem Wissen verstanden werden.

    Dieser Band legt damit den Grundstein für einen intensivierten Dialog zwischen der klassisch-altertumswissenschaftlichen genauso wie der ägyptologischen Seite.

    18. Juli 2017

    Neu erschienen

    Théologie et culte au temple des Soknopaios von Martin Andreas Stadler

    bei Cybèle in Paris, ISBN 9782915840377

    Die Erforschung des kaiserzeitlichen Tempels, in dem Soknopaios, eine lokale Form des Krokodilsgottes Sobek verehrt wurde, hat in Würzburg mittlerweile Tradition. Denn zwei DFG-Projekte sind hier diesem Ort gewidmet. Eines davon ist bereits abgeschlossen. Das noch laufende Projekt hat sich u. a. die Erforschung des Kults am Soknopaiostempel vorgenommen. Der vorliegende Band ist eine Vorschau auf die Ergebnisse dessen.

    Trotz der großen Menge textlicher Quellen aus Dimê, Soknopaiu Nesos auf griechisch, die auf Papyrus die Jahrhunderte überdauerten, sind wir gerade erst am Anfang, uns ein umfassendes Bild der Stadt in der römischen Kaiserzeit zu machen.

    Die meisten Quellen sind nämlich noch nicht ediert. Deshalb verstehen wir bislang nur eingeschränkt die Mythologie und den Kult. Ohne die Papyrusdokumentation wüßten wir sogar fast nichts darüber. Sie erlaubt es uns ein Bild des Tempels zu entwerfen, wo Soknopaios, eine lokale Form des Sobek, verehrt wurde.

    Das Corpus zeigt eine starke Vertrautheit mit den mythologischen Themen Ägyptens: So nimmt die Priesterschaft des Soknopaios an den Diskursen zur Universalität der Isis Anteil, bezieht Handschriften aus anderen Orten Ägyptens und transkribiert traditionelle liturgische Texte ins Demotische. Dazu gehört die demotische Version des Täglichen Rituals.

    Stadler skizziert das lebendige intellektuelle Klima und beschäftigt sich intensiver mit dem Täglichen Ritual, dessen Textgeschichte bis in das frühe zweite Jahrtausend v. Chr. zurückreicht.

    2. Mai 2016

    Sapientia felicitas: Festschrift für Günter Vittmann zu seinem 64. Geburtstag

    2016 erschienen in Montpellier

    Günter Vittmann ist nicht nur ein herausragender Kenner der ägyptischen Onomastik, des Abnormhieratischen und des Demotischen in all seinen Formen, sondern zeichnet sich zudem durch seine ausgedehnten, weit über die Ägyptologie hinausreichenden wissenschaftlichen Interessen aus. Er hat als außerplanmäßiger Professor die Würzburger Lehre nachhaltig geprägt und bereichert.

    Mit seinen Forschung zu Ägypten unter fremder Herrschaft und der Integration von Ausländern im Land am Nil hat wesentliche Beiträge zur Beschäftigung mit den Fragen der kulturellen Identität und der multikulturellen Gesellschaft im alten Ägypten geleistet, die er in zahlreichen Publikationen, Seminaren und bei Forschungsaufenthalten wie zuletzt im Frühjahr 2015 im Rahmen des LabEx ARCHIMEDE (Programm „Investissements d’Avenir“ ANR-11- LABX-0032-01) in Montpellier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

    In der vorliegenden, von den Würzburger Alumnae Sandra Lippert und Maren Schentuleit zusammen mit Stadler herausgegebenen Festschrift ehren ihn seine Kollegen, Schüler und Freunde mit dreißig Aufsätzen, die die zentralen Forschungsthemen des Jubilars aufgreifen.

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