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    Lehrstuhl für Ägyptologie

    DimeData: DFG bewilligt neues deutsch-französisches Projekt

    09.01.2018

    Im deutsch-französischen Programm der Agence nationale de la recherche und der DFG für die Geistes- und Sozialwissenschaften ist ein Projekt mit gut 450.000 EUR für drei Jahre bewilligt worden, in dem Würzburger Ägyptologen mit Kollegen in Bordeaux zusammenarbeiten. Sie erforschen die ägyptische Tempelwirtschaft anhand einer einmaligen Quellengattung.

    Ausschnitt aus Papyrus Berlin P 8043, einer Papyrusrolle aus der Buchhaltung des Soknopaios-Tempels von Dimê (Photo: © Sandra Steiß, SMPK Berlin)

    Die ältere Forschung gab den Römern die Schuld am Niedergang der Tempel in Ägypten. Heute wird hingegen die Auffassung vertreten, Rom habe in Ägypten sogar für eine wirtschaftliche Stimulation gesorgt. Vor diesem Hintergrund eignet sich nun der Tempel von Dimê besonders gut, fallstudienartig die ökonomische Situation eines ägyptischen Tempels unter römischer Provinizialverwaltung zu untersuchen und die aktuelle Sicht der Dinge zu überprüfen.

    Zum einen ist sowohl die griechisch- als auch die ägyptischsprachige Dokumentation allgemein sehr reichhaltig, zum anderen speziell die Quellen, die das Wirtschaftsleben des Tempels erhellen. Darunter und an erster Stelle sind die listenförmigen Abrechnungen zu nennen, die in großem Umfang erhalten sind. Diese listenförmigen Abrechnungen wurden in der Buchhaltung des Tempels in demotischer Schrift niedergeschrieben. Allein die besser erhaltenen unpublizierten Exemplare von über 1 m Länge in Berlin, London, Paris und Wien summieren sich auf mehr als 800 Stücke.

    Daraus werden gut 40 Exemplare im Projekt ediert. Ihre Analyse wird uns zwingen, unser Bild

    (1) vom internen Wirtschaftsbetrieb eines regionalen ägyptischen Tempels,

    (2) von der Einbindung 'des Tempels' als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum in eine Verwaltungs- und Fiskalstrategie der römischen Herrschaft am Nil,

    (3) vom Klerus als Gemeinschaft und seinem sozialen Status, und

    (4) von der religiösen Praxis in Dimê und den benachbarten Heiligtümern zu revidieren.

    Die beträchtliche Zahl der Quellen in ägyptischer (demotischer) Sprache in einer Zeit, in der das Griechische das Demotische endgültig als Verwaltungssprache abgelöst hat, ist ebenfalls eine Besonderheit, die die Problematik der Zweisprachigkeit im römischen Ägypten auf den Prüfstand stellt.

    Das Ziel des Vorhabens ist, für dieses noch nicht edierte Corpus der Abrechnungen des Tempels von Dimê mit der Edition von rund 40 repräsentativen Exemplaren eine Publikation auf einer Online-Editionsplattform zu beginnen. So sollen Althistoriker und Ägyptologen neue Quellen an die Hand bekommen, die unser Wissen um das Wirtschaftsleben ägyptischer Tempel in der römischen Kaiserzeit auf eine neue Basis stellen. Dadurch mag sich auch das ordnungspolitische Handeln der Römer in Ägypten gegenüber diesen einheimischen Institutionen, die bis in die ptolemäische Zeit hinein höchst einflußreich waren, besser erfassen lassen.

    Die Untersuchung der Abrechnungsrollen des Tempels von Dimê und damit des Finanzwesens, der Verwaltung und der Wirtschaftskompetenzen des Tempels im Verhältnis zu den Kompetenzen und Privilegien, die die römische Zentralverwaltung zugestand, wird neue Erkenntnisse über den Einfluß der Integration Ägyptens in das Imperium Romanum auf eine traditionelle ägyptische Institution liefern. Diese Studie, die sich auf ein überreiches und weitgehend nicht publiziertes Corpus gründet, ist einem neuen Forschungsansatz zur antiken Wirtschaft und antiken Fiskalwesen verpflichtet.

    Von Prof. Dr. Martin Stadler

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